Sonntag, 20. März 2016

Birnenkuchen mit Lavendel - So schmeckt Provence!

Zu Beginn des Buch-Film-Koch-Experiments machen wir einen Ausflug in die Provence. Einverstanden?

Es ist Frühsommer: Die Birnen werden langsam reif, der Lavendel beginnt zu blühen. Die Sonne scheint. Schon in Stimmung? Ich auch!

Bio-Birnen in Omas alter Obstschale

Als ich vor ein paar Wochen bei der Premiere von „Birnenkuchen mit Lavendel“ im Kino saß und in den Bildern schwelgte, wollte ich nicht, dass die Geschichte um Pierre und Louise je wieder aufhört. Das tat sie nach 97 Minuten natürlich doch, aber für einen noch ziemlich klammen und kalten Vorfrühlingsabend Anfang März ging ich recht beschwingt und mit der Idee nach Hause, dass diese zauberhafte französische Komödie unbedingt in den Buch-Koch-Blog muss - auch wenn es sich hier maximal um ein sehr schönes Drehbuch und nicht um einen Roman handelt.

Wie ein Märchen mutet die Erzählung an. Und gar nicht kitschig kommt die Geschichte um einen Mann mit Asperger-Syndrom, einer milden Form von Autismus, und einer verwitweten Birnenzüchterin, die tief in Schulden steckt, rüber. So können nur Franzosen mit etwas skurrilen, aber liebenswerten Charakteren umgehen. Man denke nur an "Die fabelhafte Welt der Amélie" oder  "Die anonymen Romantiker"!

Märchenhaft soll die Filmkomödie um das ungewöhnliche Paar tatsächlich sein, sagte Autor und Regisseur Eric Besnard im Gespräch mit den Premierenbesuchern. Er verriet auch, dass seine Frau, eine Psychologin, ihn zu der Story inspiriert habe. 

Als Pierre Louise eines Abends vors Auto läuft und danach - abgesehen von einer Platzwunde am Kopf mehr oder minder unverletzt - einfach in der Wiese hocken bleibt, merkt sie schnell, dass etwas an ihm anders ist. 
Er ist besonders, oder? 
Er ist ehrlich, zuverlässig, treu und will niemandem etwas Böses. Ja, er ist       tatsächlich etwas Besonderes.
Birnenkuchen mit Lavendel, F, 2016

Louise nimmt ihn mit nach Hause und verarztet ihn. Pierre bleibt über Nacht - und räumt erst einmal das Haus auf: Alles wird sortiert - nach Farben, Formen, Größe. Und, Pierres Spleen, bald kleben mancherorts auch bunte Sticker, zum Beispiel auf den Marmeladengläsern, die selbstverständlich ebenfalls ordentlich gestapelt worden sind. Aus den Punkten kann Pierre übrigens kleine Kunstwerke kleben. Das wird der Zuschauer später noch sehen. 

Auch sonst verhält Pierre sich in vielen Situationen ungewöhnlich: offen, unverstellt und direkt. Das bringt die Zuschauer oft zum Schmunzeln oder Lachen - zum Beispiel, wenn er auf dem Markt, wo Louise Birnen, Birnenkuchen, Honig, Marmelade und mehr verkauft, Kundengespräche führt. Es berührt aber auch: Wunderschön die Szene, in der Louise Blumen von Pierre bekommt. Nicht einen Strauß, sondern 37 wundervolle Bouquets: für jedes Jahr, das Louise auf der Welt ist, und für jeden Geburtstag, zu dem Pierre ihr bisher nicht gratulieren konnte, einen...
Er erlebt die Dinge intensiver als andere.
Birnenkuchen mit Lavendel, F, 2016 

Pierre geht als Asperger-Mensch auf eigene Weise durch die Welt: Er kann stundenlang die Wolken beobachten und in jeder etwas - ein Bild oder eine Figur - entdecken. Er sitzt manchmal da - mit nur einem Halm Lavendel in der Hand, dreht und wendet ihn gegen das Sonnenlicht und nimmt den Geruch ganz bewusst in sich auf. Beim Zusehen entschleunigt auch das Publikum irgendwie, so beruhigend wirken diese Szenen. Glücklicherweise hat Pierre auch eine besondere Begabung für Zahlen und damit fürs Geschäftliche. Nicht nur damit rettet er die um ihre Existenz kämpfende Louise. Er verändert ihr Leben und das ihrer beiden Kinder auch sonst zum Besseren. Mehr sei jetzt aber wirklich nicht verraten.

Ein goldbraun gebackener Birnenkuchen in einer Tarteform.

Kommen wir zum Kochen. Der Filmtitel bietet sich zum Nachmachen geradezu an und hat zumindest an meine Geschmacksnerven appelliert: Back mich! Es war auch überhaupt nicht schwer, jemanden zum Mitmachen zu finden. Meine Freundin Franzi war sofort bereit, mit mir den Geschmack der Provence auf dem Backblech zu testen. Natürlich ist auch sie vorher zu Recherchezwecken ins Kino gegangen – und begeistert wieder heraus gekommen.

Anders als in den vielen Romanen, die hier noch verkocht, verbacken und verbraten werden sollen, hatten wir kein Rezept vom "Birnenkuchen mit Lavendel" mitgeliefert bekommen. Ich habe also etwas aus dem Netz gefischt - eine „Apfel-Birnen-Tarte mit Lavendel – französischer Art“. Die haben wir filmgerecht abgewandelt.

Vergangenen Sonntag brachte Franziska Berlins beste Bio-Birnen. Ich hatte den Rest besorgt. Los ging´s mit der Grundlage: Aus ökologisch unbedenklichen Eiern, ebensolcher Butter, Dinkel-Vollkorn-Mehl und Roh-Rohrzucker (immerhin befinden wir uns in Prenzlauer Berg, da verschreibt man sich einer vollwertigen, bewussten Ernährungsweise praktisch schon beim Einzug) kneteten wir den Mürbeteig und ließen ihn eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen.

Die Birnen hatte Franzi übrigens schon ein paar Tage zuvor besorgt, damit sie nachreifen und etwas weicher werden konnten. Für die Konsistenz im Kuchen war das toll. Das Schälen und Schneiden wurde dadurch jedoch zu einer etwas glipschigen Angelegenheit. Die Birnenspalten werden übrigens am besten sofort mit etwas Zitronensaft übergossen, damit sie nicht unansehnlich braun werden. „On top“ fehlt noch der Guss. Den haben wir aus Sahne, Eigelben und lauwarmem Lavendelhonig angerührt – und dann im Kühlschrank den Platz mit dem inzwischen erkalteten Teig tauschen lassen.

Das Rezept für die Birnentarte - französische Art


Der wird ausgerollt und in eine Tarteform gegeben. Birnen drauf und im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen 20 Minuten backen lassen. Dann erst kommt der Guss darüber. Das Gesamtwerk soll weitere 20 bis 25 Minuten im Herd verbleiben. Bei uns brauchte es rund 10, 15 Minuten länger: Der Kuchen sah nach der angegeben Backzeit immer noch recht flüssig aus. Das lag wahrscheinlich an den schon sehr saftigen Birnen. Unter ständiger Beobachtung haben wir den Kuchen weitergaren lassen, bis wir ihn schließlich für sehr gut und fertig befunden haben. Garniert wird das Ganze zum Abschluss mit etwas Puderzucker und einer Handvoll Lavendelblüten. Zur Deko dürfen auch noch ein paar Zweige obenauf gelegt werden. Die hatte ich in getrockneter Form noch im Haus: Ich habe sie letzten Sommer liebevoll auf meinem Balkon gezüchtet. 

Den Kuchen haben wir abends unsere Freunde beim Tangotanzen verkosten lassen. Der goldbraune "Birnenkuchen mit Lavendel", der durch den Dinkel-Vollkornteig einen besonderen Pfiff bekommen hatte, kam bei allen geschmacklich gut an - und war ruck zuck alle. 

Übrigens klingt nicht nur der deutsche Titel lecker. Im französischen Original heißt der Film „Le goût des merveilles". Es geht, wörtlich übersetzt, um den Geschmack der Wunder, ebenso aber auch um ein typisch französisches Gebäck gleichen Namens. Wer mag, kann es ja mal nachbacken - und das Ergebnis unten als Kommentar posten. Ein Rezept für Merveilles gibt es hier...

LE FIN 
  - vorläufig…

Birnen in Großmutters alter Schale aus Porzellan

Dienstag, 8. März 2016

Als es anfing...

... hatte ich eigentlich noch keine Ahnung, dass es anfing.

Von der Idee bis zur Umsetzung braucht ein Projekt manchmal - oder sogar oft - längere Zeit. Und bis einem die Idee überhaupt erst einmal bewusst wird, bedarf es gelegentlich ebenfalls eines Vorlaufs. Zumindest in diesem Fall..

An sich hatte ich sie - die Idee zum Buch-Koch-Blog - schon eine Weile vor Augen. Aber es hat einfach nicht "Klick" gemacht.

Das "Es vor der Augen haben" ist übrigens wörtlich zu nehmen: Die Inspiration steckte buchstäblich in einigen Büchern, die ich im Lauf der letzten Jahre gelesen habe.

Wer mich kennt, weiß, dass das wohl kaum Kochbücher gewesen sein können. Und wer es wissen will, schaut am besten in diesen Blog-Beitrag - oder in diesen.

Essen, trinken und lesen - alles, was ein Buch-Koch-Blogger braucht

Es waren Romane, "stinknormale" Romane, in denen es um alles Mögliche ging - und ein bisschen auch ums Essen. Einer von ihnen stand seit meiner Kindheit im Bücherregal meiner Eltern: eine gebundene Ausgabe von "Es muss nicht immer Kaviar sein". Mein Vater hatte ihn als jüngerer Mann gelesen und ihn danach im Wohnzimmerschrank platziert. Da machte er sich mit seinem roten Rücken ganz gut und wurde von mir gründlich betrachtet.

Gelesen habe ich den "Kaviar" damals als Teenager nicht, aber bemerkt, dass es nicht nur Seite um Seite voll der aberwitzigen, doch angeblich wahren Erlebnisse eines Spions wider Willen steckt, sondern auch viele Rezepte enthält: sämtliche Speisen nämlich, die Hauptfigur Thomas Lieven im Verlauf seiner Abenteuer seinen Gästen - darunter auch Josephine Baker - so serviert.

Das habe ich damals allerdings nur zur Kenntnis und das Buch in meinen Besitz genommen. Nichts für ungut, geehrter Herr Simmel, aber es stand leider bis kürzlich lediglich dekorativ in meinem Regel herum. Aber es war der Anfang vom Anfang...

Im Lauf der Jahre kamen andere Bücher hinzu, die nicht nur Geschichten, sondern auch Zubereitungsempfehlungen enthielten. Eines davon spielt in Paris und handelt von einer Restaurantbesitzerin, die mit Liebe kocht und durch ihr Lächeln bezaubert - und zwar vor allem einen bestimmten Schriftsteller, den das Lokal und seine Köchin zu seinem Erstlingswerk inspirieren.

Ausschnitt vom Cover "Das Lächeln der Frauen" von Nicolas Barreau

Das Buch ist ein großer Erfolg und in aller Munde. Es wird auch von der Hauptfigur verschlungen. Die erkennt sich auf den Seiten wieder  - und sucht den Kontakt zu dem Schriftsteller. Der jedoch bemüht sich, unerkannt zu bleiben. Das führt zu allerlei Verwicklungen - mündet aber in ein "Menu d´amour".

Wer es nachkochen will, findet die Angaben praktischerweise im Anhang des Romans. Das habe ich seinerzeit ebenfalls zur Kenntnis genommen und das Taschenbuch zum Simmel in die Bücherwand gestellt.

Ein paar Wochen später schrieb mich eines Abends ein mir ganz gut bekannter, aber hier nicht namentlich zu nennender Freund an. Er schickte mir einen Link: Ich solle mal schauen, in dem Film habe er mitgemacht. Ich wurde allerdings zu äußerstem Stillschweigen verdonnert, weil es sich um etwas handele, dass er als "Frauenfilm" bezeichnete. Dieses ein Genre, mit dem Mister X an sich nicht besonders viel anzufangen weiß. Noch dazu lief die Produktion unter der Rubrik "Herzkino" im Fernsehen...

Ich klickte neugierig in die Mediathek und erkannte nicht nur meinen kameratauglichen Freund, sondern auch die Handlung wieder, ging es doch um ebenjene Geschichte um "Das Lächeln der Frauen", das ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen hatte.

Klar, was beim nächsten Date auf der Speisekarte stehen würde: ein Gericht aus besagtem Werk, so wie es Aurélie, die Dame mit dem schönen Schmunzeln, ihrem Gast servierte.

Meine Wahl fiel auf das "Lammragout mit Granatapfelkernen und gratinierten Kartoffeln". Es hätte allerdings auch das "Curry d´agneau" aus dem La Coupole, einem Restaurant in Paris und ein Rezept aus dem Jahr 1927, werden können. Auch das spielt in Buch und Film eine kleine Rolle.

Halbierte Granatäpfel vor dem Kochen

Ich wollte aber Granatäpfel zum Lamm, ich Schaf! Die Verarbeitung der Früchte verwandelte meine kleine Küche in ein Schlachtfeld: blutrote Spritzer überall! Es war einfach eine  - Entschuldigung - Sauerei, obwohl sich der Arbeitsschritt im Rezept so harmlos ausnimmt:
"Granatäpfel halbieren und die Kerne herausholen und zur Seite stellen."
Das Lächeln der Frauen, S. 330

Dass danach erst einmal alles grundzureinigen ist - auch man selbst -, darüber schweigt des Dichters Höflichkeit.

Das Drama um den Granatapfel verheimlichte ich meinem ersten - wir wussten es damals freilich nicht - Buch-Koch-Blog-Gast. Das "Mis en place" hatte ich - Gott sei Dank - schon abgeschlossen, als er eintraf. Ganz praktisch, wenn man zeitnah speisen möchte, denn das Gericht braucht ein Weilchen :
"..., und alles zugedeckt bei schwacher Hitze (150 Grad) im Backofen etwa zwei Stunden schmoren lassen."
Das Lächeln der Frauen, S. 330
Das lange Schmoren mag man zartem Lammfleisch zumuten, aber keinem hungrigen Besucher. Der durfte beim Bereiten des Kartoffelgratins seine wirklich vorzüglichen Kochkünste einsetzen. Es wurde ein schöner Abend und ein schmackhaftes Mahl. Und brachte mich schließlich nach der Lektüre noch weiterer mit Rezepten gespickter Bücher auf die Idee zum Kochen á la literature.

FAZIT

Ich empfehle das Gesamtpaket: Man nehme das Buch und/oder den Film sowie das Rezept - und fühle sich ein wenig wie Aurélie oder zumindest wie einer ihrer Gäste im fiktiven "Temps des Cerises", dem Schauplatz der sehr charmanten, französischen Liebeskomödie.

Bon Appetit!





Montag, 7. März 2016

WOHL BEKOMMS

Hier entsteht ein neuer Blog.

Ein Buch-Koch-Blog.

Ein was?

Slogan für den Buch-Koch-Blog: Koch´s dir selbst


Kochbücher kennt jeder - und Speisen nach Rezept zubereiten kann auch fast jeder.
Über das Kochen wird außerdem schon jede Menge gebloggt.

Dennoch wird auch hier gekocht werden - zum großen Teil ebenfalls nach einer Vorlage. Manchmal aber mehr oder weniger auch "frei Schnauze" und improvisiert.

Was ist das Besondere am Buch-Koch-Blog? Was wird "angerichtet"?

Ich bin ebenso lese- wie filmbegeistert. Außerdem esse ich gern. Meine Fähigkeiten, was das Kochen angeht, sind dagegen - nun ja - ausbaufähig.

Im Buch-Koch-Blog-Projekt kommt alles zusammen: Vorlage für die Dinner, die ich in den kommenden Wochen und Monaten zubereiten werde, sind Romane sowie Filme.

Meine Rezepte stammen also nicht aus gewöhnlichen Rezeptsammlungen, sondern aus Büchern und Filmen, in denen es zumindest am Rande ums Essen und Trinken geht, in denen Gerichte und Getränke also wenigstens eine Nebenrolle spielen.

Slogan für Buch-Koch-Blogger: Eat, sleep, dirnk and read!

Gekocht wird also à la literature.

Es wird getafelt werden wie bei den "Buddenbrooks" oder geschlemmt wie beim "Paten". 

Für möglichst maximales Gelingen der Menüs - und der Geselligkeit wegen - koche ich lieber nicht allein, sondern mit jeweils einem Gastkoch aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Gegessen wird selbstverständlich ebenfalls gemeinsam. Und darüber schreibe ich. So wird sich der Blog nach und nach mit Buch-Koch-Geschichten füllen.

In diesem Sinne (und als kleiner Vorgeschmack):

BON APPETIT!

Los geht es demnächst nämlich mit etwas Schmackhaftem aus Frankreich...